Wasserwirtschaft in China

                          Infrastruktur - China 

2.6. Infrastruktureinrichtungen der Wasserwirtschaft

Wasserbauprojekte können auf verschiedene Weise von Nutzen sein. Zum einen ist Wasser in der Landwirtschaft ein Inputfaktor, ohne den Landwirtschaft nicht möglich ist. Reicht das Regenwasser nicht aus, so muss Wasser über Wasserbauprojekte herangeschafft werden. Nach dem chinesischen Ministerpräsidenten des Staatsrates Li Peng haben die derzeitig im Bau befindlichen Wasserbauprojekte in China neben der Wasserversorgung der Landwirtschaft noch mehrere andere Funktionen. So dienen sie dem Kampf gegen das Hochwasser, der Stromerzeugung, der Wassserspeicherung, der Wasserableitung und der Regulierung von Flussläufen und Seen. Er glaubt somit, daß die Wasserwirtschaft nicht nur der Lebensnerv der Landwirtschaft, sondern auch die Basis der gesellschaftlichen Entwicklung ist. (Li Peng nach Beijing Rundschau 40/94, S.4).

Da in meiner Arbeit die Auswirkung der Infrastruktur auf das Wachstum untersucht wird, sind besonders die produktiven Komponenten zu untersuchen. Dies sind Projekte gegen Überschwemmungen, die den Städten und Ackerflächen Schaden zufügen können und somit auch die gesamtwirtschaftliche Entwicklung stören können. Ebenso sind Projekte zur Be- und Entwässerung von Bedeutung. Auch die Energieversorgung durch Wasserkraft und die Schiffbarmachung von Flüssen fallen hierunter. Diese Aspekte wurden jedoch schon an anderen Stellen in dieser Arbeit behandelt.

2.6.1. Be- und Entwässerungseinrichtungen

Während im Norden Chinas mehr Getreide angebaut wird, wird im Süden Chinas vor allem Reis angebaut. Im Süden Chinas ist die erfolgreiche Bewässerung der Reisfelder eine alte Tradition. Nordchina hat jedoch mit immer mehr auftretenden Dürren und einem immer weiter absinkenden Grundwasserspiegel zu kämpfen, so daß langfristig enorme Engpässe in der Versorgung der Bevölkerung und sehr große finanzielle Einbußen für die Landwirtschaft drohen. Deswegen soll der regenärmere Norden nun gigantische neue Bewässerungsanlagen erhalten, um den landwirtschaftlichen Ertrag zu steigern. Dies ist die wohl einzige Möglichkeit den landwirtschaftlichen Output Chinas in Zukunft noch stark zu steigern und die immer noch wachsende Bevölkerung zu ernähren.

Das derzeit im Bau befindliche Projekt der Wasserumleitung des Jangtse nach Nordchina ist das „größte Wasserbauprojekt der Welt“ (Beijing Rundschau 42/94, S.8). Dies ist eines der größten Infrastrukturprojekte in China überhaupt. Das in mehrere Teilbereiche aufgegliederte Projekt hat zum Ziel Nordchinas Landwirtschaft wie zum Beispiel den Gemüseanbau genügend Wasser zur Verfügung zu stellen. Des weiteren sollen in Nordchina 88 neue Stauseen zur Wasserspeicherung für Dürrezeiten entstehen. (Vgl. Beijing Rundschau 42/94, S.8-11)

Insgesamt sollen in China zwischen 1996 und 2000 neue Be- und Entwässerungsprojekte die Grundlage schaffen, den Output an Getreide um jährlich 50 Mrd. kg zu erhöhen. Außerdem sollen 3,33 Mio. ha mehr Bewässerungsfläche gewonnen werden. (Zahlen aus: Beijing Rundschau 51/95, S.24)

Es wird also viel in solche Projekte investiert. Somit müsste es China auch in Zukunft gelingen, den landwirtschaftlichen Output zu steigern und auf größere Nahrungsmittelimporte zu verzichten.

Zudem sind Bewässerungsprojekte nur für die Landwirtschaft wichtig. Das wirtschaftliche Wachstum in China wird auch in Zukunft vor allem durch den sekundären und tertiären Sektor getragen werden, die eine solche Infrastruktureinrichtung nicht als Inputfaktor benötigen. Die weitere wirtschaftliche Entwicklung ist somit durch einen Engpass an Be- und Entwässerungsinfrastruktur nicht gefährdet.

2.6.2. Projekte zur Hochwasserbekämpfung

In den letzten Jahren wurde China häufig von schweren Überschwemmungen heimgesucht. So wurden 1995 in Südchina bei einer der größten Überschwemmungen in der Geschichte 34 Mio. Menschen obdachlos (Vgl. Beijing aktuell 29/95, S.7). Im Jahre 1996 kam es zu weiteren Überflutungen bei denen 1100 Menschen ertrunken sind, 2 Mio. wurden obdachlos (Vgl. Hongkong News 34/96, S.28). Solche Katastrophen werfen immer wieder große Teile einer oder mehrerer Provinzen Chinas in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung um Jahre zurück. Treten sie in Zukunft noch öfter auf, können sie das wirtschaftliche Wachstum in vielen Regionen Chinas nachhaltig gefährden.

Somit ist der Bau von Hochwasserschutzanlagen ein Schwerpunkt im 9. Fünfjahresplan 1996-2000. Die sieben Hauptflüsse sollen alle reguliert werden. Neue Deiche und Dämme sollen errichtet werden. Viele hochwasserrückhaltende Stauseen, vor allem zum Schutz der großen Industriezentren, sollen gebaut werden. Auch kleinere Flüsse sollen reguliert werden, um lokale Überschwemmungen zu verhindern. (Vgl. Hongkong News 35/96, S.30)

Durch diese großen Investitionen wird es der Regierung zwar nicht gelingen in Zukunft Überschwemmungskatastrophen zu vermeiden, aber sie dürften dennoch begrenzt werden, so daß eine Gefährdung der wirtschaftlichen Gesamtentwicklung des Landes unwahrscheinlich ist.

 

Wissen über China: Die Fläche von China beträgt 9,6 Millionen km², da ist 25-30 mal so viel wie Deutschland. Die Bevölkerung Chinas ist rund 17 mehr als die Einwohnerzahl Deutschlands. In ganz China ist die Uhrzeit einheitlich.

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